Stille Post; oder: Apple, das iPhone und der Kill-Switch

Sonntag, 10. August 2008, 18.47 Uhr | Giesbert Damaschke

Gerüchte verbreiten sich schnell und bei jeder Station geht etwas verloren oder kommt hinzu. Zum Beispiel, wenn Jonathan Zdziarski beim Stöbern in den Untiefen des iPhone OS auf eine verdächtige URL stößt: “https://iphone-services.apple.com/clbl/unauthorizedApps” und daran die Vermutung knüpft, dass das iPhone unter Umständen nach Hause telefoniert und vielleicht in der Lage sein könnte, gezielt Applikationen zu löschen. Dann wird aus dieser bloßen Vermutung rasch Gewissheit: iPhone-Autor: iPhone telefoniert nach Hause und kann Programme killen oder Researcher discovers targeted iPhone app “kill switch” oder Apple kann Programme auf dem iPhone löschen. Und schon musst ich mir beim Bier von Bekannten empört von Apples neuesten Schandtaten erzählen lassen. Anscheinend kam niemand auf die Idee, einfach mal bei Apple nachzufragen, was das soll. Bis auf John Gruber:

Apple has no reason to hide such a configuration in a sneaky place. If it’s “tucked away in a configuration file deep inside” the Core Location framework, doesn’t it seem more likely that this list has something to do with, say, Core Location? […] An informed source at Apple confirmed to me that the “clbl” in the URL stands for “Core Location Blacklist”, and that it does just that. It is not a blacklist for disabling apps completely, but rather specifically for preventing any listed apps from accessing Core Location — an API which, for obvious privacy reasons, is covered by very strict rules in the iPhone SDK guidelines.

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4 Kommentare zu Stille Post; oder: Apple, das iPhone und der Kill-Switch

Rudi Mentär schreibt:
11. August 2008, 14.34 Uhr

Lt. Steve Jobs hat Apple sich doch die Möglichkeit vorbehalten, Anwendungen auf dem iPhone nachträglich zu deaktivieren, meldet heute Heise.
http://www.heise.de/security/Steve-Jobs-feiert-Apples-App-Store–/news/meldung/114076
(drittletzter und vorletzter Absatz)

Giesbert Damaschke schreibt:
12. August 2008, 9.20 Uhr

Ich möchte fast wetten, Jobs meint damit die von der Macworld bereits im März genannte Möglichkeit, die digitale Lizenz eines Entwicklers zurückzurufen, womit gleichzeitig dessen Apps nicht mehr funktionieren. Oder so ähnlich 8-)

Anyway, das ist gar nicht so sehr der Punkt, sondern dass aus einem “es könnte sein” in der Presse im Handumdrehen ein “Es ist so” wird. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass es am Ende tatsächlich so ist, ist das vorschnell, schlampig, kurz: unzulässig.

Rudi Mentär schreibt:
13. August 2008, 15.07 Uhr

Ich wette nicht. :-)

Dass man unbestätigte Gerüchte nicht als Tatsachen weitersagen sollte, ist natürlich richtig. Dass das viel zu oft geschieht, leider auch.

Giesbert Damaschke schreibt:
14. August 2008, 2.42 Uhr

Tja ;-) Spiegel Online gehört mal wieder zu den ganz Schlauen, die vermischen einfach alles und verwandeln halbverstandene Gerüchte in angebliche Jobs-Zitate. Es ist ein Elend.

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