Meine Woche mit dem iPhone

Samstag, 29. März 2008, 18.17 Uhr | Giesbert Damaschke

Gut eine Woche ist mein iPhone nun im alltäglichen Einsatz. Da wird es Zeit für einen ersten, kleinen Erfahrungsbericht. – Es folgen einige unsortierte Notizen.

Allgemein

Ich bin hochzufrieden mit dem Gerät und betrachte es bereits nach dieser kurzen Zeit nicht mehr als cooles Spielzeug, sondern als selbstverständlichen Begleiter. Das iPhone ist (fast) exakt das Gerät, das ich erwartet habe: ein leicht zu bedienender, mobiler Internetzugang (ich telefoniere eher selten). Das Touchscreen-Bedienkonzept erfüllt meine (hohen) Erwartungen, das Display ist gestochen scharf und brillant. Wie vermutet, reicht auch Edge völlig aus und ich wüsste nicht, warum ich nun partout UMTS bräuchte.

PDA (noch) nicht abgelöst

Meine Hoffnung, durch das iPhone zwei meiner ständigen Begleiter ersetzen zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Mein altes Nokia-Handy wurde zwar sofort ausgemustert, aber meinen Tungsten E2 trage ich weiter mit mir herum. Solange ich auf dem iPhone keine Todo-Listen und ähnliches verwalten kann, wird sich daran wohl auch nicht wirklich etwas ändern. Aber da setze ich große Hoffnungen auf das SDK, nach dessen Veröffentlichung es wohl nicht nur die üblichen PDA-Applikationen, sondern hoffentlich auch einen E-Book-Reader geben wird.

So weit die Akkus reichen …

Die Laufzeit des Akkus hängt natürlich stark von der Nutzung ab, bei mir reichte die letzte Akkuladung genau für 7:47 Stunden Einsatzzeit. In dieser Zeit habe ich mit dem iPhone im Web recherchiert, Nachrichtensites abgeklappert, E-Mails gelesen, SMS geschrieben, Fotos gemacht, Aktienkurse und Wetterberichte verfolgt, Notizen angelegt, die Systemeinstellungen ausprobiert, vier, fünf Youtube-Clips geschaut, den Taschenrechner benutzt und auch ein paar Minuten telefoniert.

Tastatur

Erstaunt war ich, wie schnell ich mich an die Bildschirmtastatur gewöhnt habe, die eine gleichmäßige und zügige Texteingabe erlaubt. Allerdings nur, wenn man das iPhone in der einen Hand hält und mit dem Zeigefinger der anderen Hand tippt. Wer, wie er es vielleicht von anderen Handys und mobilen Geräten gewohnt ist, das iPhone mit den Daumen bedienen will, bekommt Probleme.

Bildschirm

Vor dem Kauf hatte ich ein wenig Sorgen, dass ich die Webseiten auf dem kleinen Display nicht lesen könnte, aber diese Sorge war unbegründet. Nicht nur, weil das Display so unglaublich gut ist, sondern auch, weil die Zoom-Funktion sehr intelligent arbeitet. Man tippt zweimal kurz in einen Textblock und Safari stellt genau diesen Bereich bildschirmfüllend dar. Das funktioniert hervorragend bei Webseiten mit Spaltenlayout wie etwa Google News oder Spiegel Online. Hier kann man nach einen Doppeltipp einen Artikel bzw. die Newsübersicht problemlos lesen. Bei Webseiten mit sehr breiten Spalten genügt es meist, das iPhone zu kippen, um die Seite im Querformat zu lesen. Wenn alle Stricke reißen, muss man die Seiten manuell anpassen.

Web, Mail & Co.

Die Webseiten, die ich am häufigsten abgerufen haben: Google, Wikipedia, IMDB, Spiegel Online, SZ, Heise, Sport1 und noch eine Reihe kleiner Sites. Bei keiner dieser Webseiten hat sich Edge störend bemerkbar gemacht. Das gilt ebenfalls für den Mailabruf oder die Aktualisierung der Börsenkurse und Wetterberichte. Schlimmstenfalls muss man ein paar Sekunden warten, bis eine Seite aufgebaut ist, aber das ist alles noch im grünen Bereich. Für mich muss Apple also keine UMTS-Version des iPhones auf den Markt bringen
;-).

Ich bin bislang nicht über Webseiten gestolpert, bei denen sich die fehlende Flash-Unterstützung störend bemerkbar gemacht hat. Dass die Flash-Anzeigen fehlen, wird vermutlich auch niemand bedauern.

Selbst Webseiten, die heftigen Gerauch von DHTML, Javsacript & Co. machen – wie etwa das Browserspiel Die Stämme – werden problemlos angezeigt.

Google Maps

Verblüfft hat mich, wie präzise die WPS-Lokalisierung bei Google Maps funktioniert. Es genügen drei WLANs und Google kann die Position ziemlich genau bestimmen. So praktisch das ist, ist es doch auch ein wenig unheimlich. Wie Google an die Daten kommt, möchte ich auch mal wissen. Aber damit beschäftige ich mich später, jetzt nutze ich ersteinmal die Vorzüge des Verfahrens 8-)

Telefon

Ich telefoniere nicht oft, daher kann ich zur Telefonfunktion noch nicht viel sagen, es scheint mir aber so, als sei das der schwächste Teil des iPhones. Die Stimmen klingen schwacher und gedämpfter als bei meinem Nokia, woran auch der Kopfhörer nicht oder doch nicht viel ändert. Aber nach gerade mal 46 Minuten Telefon in gut einer Woche lässt sich hier noch nichts genaues sagen.

iPod / iTunes Store

Ebenfalls kaum benutzt habe ich die iPod-Funktion – hier bleibe ich meinem iPod 5G treu. Ich habe zwar ein paar Folgen von Battelstar Galactica auf das iPhone kopiert, aber noch keine Gelegenheit gehabt, mir eine Folge anzusehen.

Gekauft habe ich auch noch nichts, aber ein wenig herumgestöbert im Store natürlich schon. Gelungene Umsetzung, schnelle Suchfunktion und die üblichen 30 Sekunden Kostrproben.

Foto

So soll das sein: Draufhalten, drücken, fertig. Keine Einstellung, kein Weißabgleich, kein gar nichts. HighTech-Lomo, gewissermaßen, mit erstaunlich guten Ergebnissen. Ideal für digitale Schnappschüsse. Nicht mehr, nicht weniger.

Datenvolumen

Meine Edge-Nutzung weist aktuell 7,9 MB gesendete und 67,8 MB empfangene Daten aus. Stellt man in Rechnung, dass ich in dieser Woche vermutlich überdurchschnittlich häufig online war, könnte es sein, dass ich die 200-MB-Grenze (nach deren Überschreitung T-Mobile sich eine Geschwindigkeitsdrosselung vorbehält) im Normalbetrieb nicht erreichen werde. Aber das bleibt abzuwarten.

Stil & Spaß

Das iPhone überzeugt nicht nur durch seine Funktionalität – die Bedienung macht auch einfach Spaß. Es liegt fantastisch in der Hand und die Liebe zum Detail, für die Apple berühmt ist, macht sich beim Interface wohltuend bemerkbar. Es gibt eine Fülle an kleinen, witzigen oder einfach gut gemachten Effekten, die sich nie in den Vordergrund drängeln, immer sinnvoll sind und die dafür sorgen, dass man das iPhone einfach gerne zur Hand nimmt. Das iPhone ist stilbildend.

So weit fürs erste.

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