Dienstleistung. Nicht DVD.

Donnerstag, 3. April 2008, 2.24 Uhr | Giesbert Damaschke

Aktuell echauffieren sich viele Leute über das eher kümmerliche Serien-Angebot im iTunes Store (vorneweg natürlich mal wieder Spiegel Online, wo man wirklich keine Gelegenheit auszulassen scheint, den Unverstand unter Beweis zu stellen). Ja, es stimmt, die Auswahl ist jämmerlich. Ja, es stimmt, im Vergleich zum US-Angebot sind die Preise exorbitant hoch. Ja, es stimmt, Serien auf DVD kosten deutlich weniger (und bieten den O-Ton). Nur: Diese Kritik geht von falschen Prämissen aus und daher im Kern völlig am Angebot vorbei.

Nehmen wir das jämmerliche Angebot, das kaum zu beschönigen ist, also auch gar nicht erst beschönigt werden soll. Aber vergessen werden darf nicht, dass das nach langer Wartezeit endlich ein Anfang ist. Auch das Angebot im US-Store fiel nicht einfach so vom Himmel (vom ursprünglichen Musik-Angebot mal ganz zu schweigen). Dergleichen wächst. Bis zum Ende des Jahres werden, jede Wette, die Kritiker wieder eimal mit dummen Gesicht herumstehen und Apples Erfolg in Ermanglung besserer Argumente wieder einmal als Hype & Marketing verteufeln.

Nehmen wir die Preise. Das ist nämlich einfach, das regelt der Markt. Wem 2,50 für eine (verpasste) Folge Lost zu teuer sind: der wird sich halt wie bisher dreinfinden, eine Folge verpasst zu haben und auf eine Wiederholung hoffen müssen. 

Womit wir beim entscheidenden Punkt angekommen sind: das Serien-Angebot im iTunesStore ist keine Konkurrenz zur Serienveröffentlichung auf DVD (das wäre ein grobes Missverständnis), sondern es begleitet die aktuelle TV-Ausstrahlung einer Serie.

Man hat eine Folge Lost verpasst? Kein Problem, die steht ein paar Stunden später im Store. Ist einem die Möglichkeit, die verpasste Folge bequem nachzuholen, dann zwei bis drei Euro wert? Das kommt natürlich darauf an, wie sehr man eine bestimmte Folge einer bestimmten Serie sehen möchte.

Mein Tipp: Ja, das ist den Serien-Junkies zwei bis drei Euro wert. Vielleicht nicht allen oder nicht genügend. Dann werden sich Apple und die Rechteinhaber den Bedingungen anpassen.

Anders gesagt: Es spielt überhaupt keine Rolle, dass das Angebot im aktuellen Zustand erbärmlich ist, die Preis im Vergleich zum US-Angebot eine Frechheit sind. Das regelt der Markt.

Entscheidend und der eigentlicht Trick ist: Apple verkauft keine TV-Serien, Apple verkauft eine Dienstleistung.

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